ZAMG: Corona und die Auswirkungen auf die Luftqualität

Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus führen zu deutlichen Änderungen im Ausstoß von Schadstoffen, zum Beispiel durch den geringeren Verkehr. Erste Auswertungen des Umweltbundesamts zeigen einen Rückgang der Schadstoffbelastung an verkehrsnahen und städtischen Messstationen. Auswirkungen auf die Treibhausgase (z.B. Kohlendioxid) in höheren Schichten der Atmosphäre, wie am Sonnblick-Observatorium der ZAMG, sind aber, wenn überhaupt, frühestens in ein paar Monaten festzustellen.

In Österreich steht ein dichtes Netz an Stationen für die kontinuierliche Überwachung der Luftqualität zur Verfügung. Die auf den Websites des Umweltbundesamtes und der Ämter der Landesregierungen veröffentlicht und halbstündlich aktualisiert. Eine erste Analyse der Stickstoffdioxid-Messungen seit dem 16. März 2020 an verschiedenen Messstationen zeigt zumeist eine Abnahme der Schadstoffbelastung.

Wetterlage hat sehr starken Einfluss auf Schadstoffbelastung

An einzelnen Tagen wurden aber auch höhere Belastungen gemessen, verglichen mit durchschnittlichen Werten im März der Vorjahre. Der Grund dafür ist, dass in einigen Regionen in Österreich bis zum Wochenende zeitweilig sehr ungünstige meteorologische Ausbreitungsbedingungen für Luftschadstoffe geherrscht haben. „Bei klarem Himmel und geringen Windgeschwindigkeiten bilden sich nachts Kaltluftseen und die Schadstoffe reichern sich in Bodennähe an. Damit zeigen sich selbst bei niedrigeren Emissionen gleich hohe oder sogar höhere Konzentrationen wie in Zeiten mit normalem Verkehr,“ erklärt Christian Nagl, Experte für Luftreinhaltung im Umweltbundesamt. „Dagegen waren seit dem Eindringen von polarer Kaltluft zu Beginn des letzten Wochenendes die Ausbreitungsbedingungen sehr günstig, was auch unter normalen Umständen zu einem starken Rückgang der Belastung geführt hätte.“ Der starke Wind und die gute Durchmischung der Atmosphäre sorgten für einen Rückgang der Schadstoffbelastung.

Am Sonnblick-Observatorium vorerst keine Änderung zu erwarten

Vorerst sind keine Auswirkungen auf die am Sonnblick-Observatorium der ZAMG erfassten Messdaten zu erwarten. „Das Sonnblick-Observatorium liegt nahezu in der freien Atmosphäre, in über 3100 Meter Seehöhe, und misst die weiträumige Hintergrundkonzentration in der Atmosphäre“, sagt die Leiterin des Observatoriums Elke Ludewig, „hier können wir die Einflüsse auf langfristige Trends untersuchen, dies ist nicht mit Messungen in Ballungszentren zu vergleichen. Markante Änderungen der Treibhausgase in den Niederungen über einen längeren Zeitraum können sich in dieser Höhe erst mit einer Verzögerung von einigen Monaten auswirken.“

Aktueller CO2-Rückgang am Sonnblick hat natürliche Gründe

Der derzeit am Sonnblick gemessene Rückgang der Konzentration von Kohlendioxid steht in keinem Zusammenhang mit den Auswirkungen aktueller Maßnahmen, wie zum Beispiel dem geringeren Verkehr. „Die Konzentration von Kohlendioxid sinkt im Frühling immer. Denn die erwachende Vegetation benötigt Kohlendioxid für ihre Photosynthese.“, sagt Ludewig, „daher zeigen die Messungen in allen Jahren im Frühling einen Rückgang der Kohlendioxid-Konzentration und im Herbst eine Zunahme.“

Observatoriums-Leiterin Ludewig warnt daher, die Messdaten der Sonnblick-Webseite ohne Rücksprache mit dem Sonnblick-Team für Analysen und Aussagen zu verwenden. „Dies kann zu Fehlinterpretationen führen, wie es in den letzten Tagen leider gelegentlich vorkam.“

Langfristig ungebremste Zunahme von Kohlendioxid

In den letzten Wochen sind die Kohlendioxid-Werte am Sonnblick und bei anderen Messstationen etwas geringer als in den ersten Monaten anderer Jahre, weil der Winter relativ warm war. Dadurch gab es mehr Kohlendioxid-Verbrauch durch Pflanzen. Langfristig zeigt der Trend aber klar nach oben. Am Sonnblick stieg die Konzentration von Kohlendioxid in den letzten 20 Jahren um rund zehn Prozent, von 370 ppm auf 410 ppm (ppm = parts per million).

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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