Coronavirus: Malaria-Medikament hilfreich?

Es ist gestern durch manche Medien gegangen: Derzeit wird in Frankreich geforscht, ob das Coronavirus damit zu stoppen ist. Diese Hoffnungen relativieren Wissenschaftler und verweisen darauf, dass Chloroquin zwar ein altbekanntes Malaria-Medikament sei, nicht frei von Nebenwirkungen . Man wisse schon lange, dass Chloroquin gegen das alte Sars-Coronavirus in Zellkultur wirke. Aber schließlich geht es ja einerseits um eine Zellkultur und andererseits um die Lunge des Menschen, wo ein Medikament wirken soll. Eine Substanz, die in Zellkultur gegen ein Virus hilft, müsse nicht automatisch auch einen Patienten heilen. 

Weiters:

„Discovery“

Mehrere Kliniken in Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien nehmen an der europaweiten Studie „Discovery“ teil, die die Wirksamkeit von vier Medikamenten und deren Kombinationen in einer klinischen Studie überprüfbar nachweisen soll.  Die europäische Studie kann damit einen Beitrag zur weltweiten Studie „Solidarity Trial“ leisten, die die Weltgesundheitsorganisation WHO gerade gestartet hat. Getestet werden die Medikamente Remdesivir (ursprünglich gegen Ebola entwickelt), die HIV-Medikamente Lopinavir und Ritonavir und Hydroxychloroquin (ein Malariamittel ähnlich wie Chloroquin) – in unterschiedlichen Kombinationen. 3.200 Patienten in Europa sind Teil der Studie „Discovery“.

Passivimmunisierung:

Parallel zur Impfstoff-Entwicklung wollen Forscher aus Blutserum Antikörper gewinnen. Haben Patienten eine COVID-19-Infektion überstanden, dann enthält ihr Blutserum eine Vielzahl unterschiedlichster Antikörper, die das Coronavirus effektiv bekämpfen können. Werden die aus dem Serum isolierten und gereinigten Antikörper einem anderen Coronapatienten injiziert, so erhält er eine „passive Immunisierung“

Doch der Vorteil ist klar: Der Körper muss bei einer Infektion nicht erst mühsam und zeitraubend selber Antikörper bilden, sondern bekommt direkt geeignete Antikörper, die den Erreger sofort bekämpfen können. Der Nachteil dieser Immunisierung besteht darin, dass diese Antikörper nach 30 Tagen abgebaut werden, sie hält also nur wenige Wochen.

Impfstoff in weiterer Ferne

Der Impfstoff namens „mRNA-1273“ wird in Seattle gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase sei in „Rekordzeit“ gestartet, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung eines Impfstoffes wird laut Fauci trotzdem voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es auch in China: Dort wird erstmals ein möglicher Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 getestet, zu deren Symptomen Fieber und trockener Husten gehören. Insgesamt hätten sich 108 Freiwillige für einen klinischen Test zur Verfügung gestellt, berichtete die englischsprachige Zeitung „Global Times“. Die chinesischen Testpersonen im Alter von 18 bis 20 Jahren leben demnach alle in der Stadt Wuhan, von wo aus sich das Coronavirus mutmaßlich in die Welt ausgebreitet hatte.

Ein internationales Team um den Genetiker und Mitbegründer der Wiener Biotechnologiefirma Apeiron, Josef Penninger, plant hingegen Tests des Wirkstoff-Kandidaten APN01. Dahinter verbirgt sich biotechnologisch hergestelltes menschliches Angiotensin Converting Enzym 2 (rhACE2), das einerseits den Virus blockieren und andererseits vor Lungenversagen schützen soll.

Die Bundesregierung hat im Kampf gegen das Coronavirus indes weitere 22 Millionen Euro für Forschung zur Verfügung gestellt. Finanziert werden sollen damit vor allem klinische Studien zur Erprobung von Medikamenten und Wirkstoffen gegen die Covid-19-Erkrankung und Forschungsprojekte, um Spitäler keimfrei zu halten.

Quellen:

Merkur; NDR; ORF; Nature.com; Bayrischer Rundfunk; Frankfurter Allgemeine

Rainer Hilbrand

About the author

Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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