Bad Goisern: Ein herzliches Frühlingsfest am 22. März

Von Dr. Michael Kurz – Historiker

Einem Menschen einen Liebesbeweis geben, ist unabhängig von Festtagen oder Anlässen. Am Liebstattlsonntag kann man dies aber in besonderer Weise tun. Woher kommt dieses Frühlingsfest, das auch im inneren Salzkammergut gefeiert wird?

Der 4. Sonntag in der Fastenzeit bzw. der 3. vor Ostern ist der Sonntag „laetare“.

Laetare heisst zu deutsch „Freu dich“. Angeblich freuten sich die Leute auf den ankommenden Frühling, der den langen Wintertagen und der Kälte bald ein Ende bereiten sollte.

Unsere Vorfahren nahmen die kalte Jahreszeit noch anders wahr als wir. Anstatt sich auf Pisten oder Eisenbahnen zu Vergnügen, hofften sie, ausreichend Lebensmittel und Brennholz zu haben, um über den Winter zu kommen.

Die Fastenzeit, die uns heute als eher altertümlich erscheint, stellte sich bald von selber ein, da nach den üppigen Feiertagen, wo man die gemästete Sau schlachtete, die Vorräte immer weniger wurden.

An diesem Freudensonntag also geschah es in den 1640er Jahren, dass eine fromme Gemeinschaft die Armen der Stadt Gmunden zu einem Mahl lud.

Inbrüderlicher Eintracht saßen Arm und Reich beisammen und versicherten sich ihrer Verbundenheit, „bestätigten“ sich ihrer Liebe.

Aus diesem „Liab b’statten“ (=bestätigen) wandelte sich der Begriff zu „Liab abstatten“, wie wir es heute verstehen.

Der alte Brauch

Bald bürgerte es sich ein, mit einem Herzen aus Lebkuchen seiner Vertrauten die Liebe zu gestehen oder zu beweisen. Junge Männer warben um die Liebe von Mädchen; Liebespaare die sich kennen und lieben gelernt hatten, traten an diesem Tag das erste Mal in die Öffentlichkeit. Der Bursch machte erstmals mit seiner Auserwählten Verwandtenbesuche, ging dann mit ihr zum Lebzeltstand und hängte ihr als sichtbares Zeichen seiner  Verbundenheit ein Lebkuchenherz mit einem schönen Sprüchlein um den Hals. Nachdem die Beziehung nunmehr offiziell war, klang der Tag in einem nahen Gasthaus oder Ausflugsort aus.

 Dies stellte aber nur einen Teil der gegenseitigen Liebesbestätigung dar. Denn an Ostern nämlich bereitete die junge Frau, wenn sie sich ihrer Sache sicher war, ihrem „Buam“ ein „Oapackl“(Eeierpackl).

Geschicklichkeit der Frau

Dieses Oapckl, das am Ostermontag überreicht wurde, enthielt üblicherweise folgende Dinge, mit der die künftige Hausfrau ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellte: ein Pfoad (Hemd), ein Bindl, bestickte Hosenkraxen (Hosenträger), gestrickte Stutzen, einen gestickten Tabaksbeutel, ein Sacktüchl und Eier. Das ganze wurde in ein baumwollenes Kopftuch gewickelt dem Liebsten geschenkt. Damit war der Herzensbund besiegelt. Nicht immer klappte es

dann auch mit der Hochzeit. Eine alte Frau erzählte, dass ihr „Bua“ zwar ihr Oarpackl genommen hatte, „aber mi nit“. Dieser Brauch hielt sich bis in die Zwischenkriegszeit.

Ein herzliches Frühlingsfest zum Liebstattsonntag

In Bad  Goisern nahm sich 1980 der Heimatverein diesem vergessenen Brauchtum an und belebte es neu. Oft fand in den folgenden Jahren am

„Liabstattl-Sonntag“ eine fröhliche Veranstaltung statt, bei der gesungen und musiziert wurde.

 1981 konnte man sogar den damaligen Landeshauptmann  Josef Ratzenböck begrüßen, der mit seiner Gattin die Aufwartung machte.

 In der Zeit vor dem Festtag herrscht in den Küchen der rührigen Damen vom Heimatverein und den  Goldhauben- und Kopftuchfrauen Hochbetrieb.

Alle Lebkuchenherzen werden selbst gebacken, mit einem Sprüchlein versehen und liebevoll verziert. Alljährlich ca. 5000 Herzen lassen die Herzen der beschenkten höher und die Herzen der Hersteller schneller schlagen. In über 500 Arbeitsstunden stellen die mehr als 40 Frauen (mittlerweile gesellte sich auch ein Mann dazu) ihre Kunstwerke her. Das Material stellen sie ebenfalls zur Verfügung.

Einige Tage vor Liabstatt sieht man die Damen trachtig gewandet von Haus zu  Haus ziehen, wo sie ihre Erzeugnisse verteilen. Die Leute freuen sich schon auf den Besuch und suchen sich aus den Körben das Herz ihrer Wahl aus, um es weiterzuschenken. Viele Kilometer werden so zurückgelegt, bis auch das letzte Haus mit einem Herz versehen wurde.

 Besonders in den Altenheimen sind die Heiminsassen über die Liebesgabe sehr erfreut. Was an Spenden von der Bevölkerung für die Herzen eingeht, wird meist einem karitativen Zweck zur Verfügung gestellt. So konnten sich die Landlerhilfe, die Lebenshilfe Bad Ischl, oder in Not geratene Familien schon öfter über einen namhaften Betrag freuen, den die Arbeitsbienen der Goldhauben- und Kopftuchfrauen und des Heimatvereins persönlich überreichten.

Auch heuer – der Liebstattl–Sonntag fällt auf den 22. März 2020 werden bald die Öfen vorgeheizt und die Glasuren gemixt, damit jeder seinem Schatz „die Liab abstatten“ kann.

 Ein Brauch der vom Herzen durchs Herz zum Herz geht und jenseits aller Kommerzialisierung liegt.

Alte  Beschreibung

Am Liebstattsonntag gilte es dem Burschen, einen Beweis seiner Liebe zu geben, und dies geschieht, indem er seine Angebetete in den nächsten Lebzelterladen führt und hier mit Meth, Lebkuchen und „Busserln“ tractiert.

Da kamen denn im Verlaufe des Nachmitttags die Mädchen aus der Stadt und deren Umgebung im schmucken Gewande und stellten sich auf dem Stadtplatze auf, in banger Erwartung, ob der heißersehnte, der vielleicht in nächster Stunde zu tun vor hatte, kommen und sie als Auserwählte seines Herzens dem Methladen zuführen werde.

Selten  blieb eine zurück, denn jene, welche ein solches Missgeschick befürchtete, blieben gleich zu Hause.

Kleider zusammengeheftet

Nicht selten kam es hiebei zu derben Witzen, denn wenn die zierlichen Mädchengestalten in langer Reihe dicht nebeneinander standen und vor banger Erwartung über die Dinge, die da kommen sollten, Hören und Sehen verloren, schlich sich mitunter ein Spaßmacher von rückwärts heran und heftete mehrere Kleider zusammen, und so kam es denn, dass der Bursche, der seine Angebetete an den Arm genommen, zum Halloh der Umstehenden einen ganzen Zug ungebetener Gäste hinter sich her hatte und obendrein seine Unbescheidenheit im Methladen bitter  büßen musste.“

(Aus: Leo Kegele „Das Salzkammergut, 1898).

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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