Kein Arbeitslosengeld, weil Betreuungsplatz für Kind fehlt – AK fordert schnellen Krabbelstuben- und Kindergartenausbau

Der Mangel an Krabbelstuben- und Kindergartenplätzen ist nicht nur für berufstätige, sondern auch für arbeitssuchende Eltern bzw. Alleinerziehende ein großes Problem. Das zeigt der aktuelle Fall einer betroffenen Mutter aus Wels. Sie könnte den Anspruch auf Arbeitslosengeld verlieren, weil kein Betreuungsplatz für ihr Kind vorhanden ist. Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ein unhaltbarer Zustand. Er fordert den verstärkten Ausbau von Krabbelstuben und Kindergärten sowie mehr Ausbildungsplätze für Kinderbetreuer/-innen.

Eine Welserin hatte ihr Kind zeitgerecht in der Krabbelstube angemeldet, das Magistrat einen Betreuungsplatz in Aussicht gestellt. Doch trotz mehrmaliger Vorsprachen und Urgenzen erhielt die Frau diesen nicht. Ihr Problem: Sie war zu diesem Zeitpunkt gerade auf Arbeitssuche. Laut Magistrat Wels besteht eine Warteliste für Krabbelstuben- und Kindergartenplätze. Zuerst werden kindergartenpflichtige Kinder aufgenommen, dann folgen die Kinder berufstätiger Eltern und erst dann kommen die Kinder arbeitssuchender Personen zum Zug – falls noch Plätze vorhanden sind. Nur wenn Mutter oder Vater eine Einstellungszusage bzw. einen fixen Ausbildungsplatz haben, wird versucht, doch noch einen Betreuungsplatz zu finden. 

Das Paradoxe an der Situation: Einerseits sagt kaum eine Firma fix einen Job zu, solange die Frage der Kinderbetreuung offen ist. Andererseits streicht das AMS das Arbeitslosengeld, weil die Betroffenen aufgrund ungeklärter Kinderbetreuung nicht vermittelbar sind oder die Mindestverfügbarkeit nicht gegeben ist. „In den meisten Fällen sind Frauen von dieser bösen Überraschung betroffen. Das Problem wird sich noch weiter verschärfen, weil die neue Bundesregierung die Mindestverfügbarkeit von 16 auf 20 Wochenstunden anheben möchte“, ist sich AK-Präsident Johann Kalliauer sicher. Die betroffenen Frauen verlieren damit im Schnitt rund 850 Euro im Monat, soviel macht das durchschnittliche Arbeitslosengeld einer Oberösterreicherin aus.

Für Kalliauer ist dieser Zustand unhaltbar: „Man lässt hier Frauen im Spannungsfeld der Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Regen stehen und spricht großartig von Wahlfreiheit und bedarfsgerechtem Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung. Doch die Realität der Frauen sieht ganz anders aus.“ Der AK-Präsident fordert daher die politischen Entscheidungsträger/-innen auf, das Kinderbetreuungsangebot auszubauen, um Frauen das Annehmen von Vollzeit-Jobs zu erleichtern und somit eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. Nur so können Frauen ein eigenständiges und unabhängiges Leben führen. Weiters braucht es zusätzliche Ausbildungsplätze und bessere Arbeitsbedingungen in der institutionellen Kinderbetreuung. Denn junge Menschen, die sich für eine entsprechende Ausbildung entscheiden wollen, sind dringend gesucht.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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