5 Jahre BUKOWINA in Laakirchen und Vorchdorf – eine Zeitzeugin erzählt!

Um die Mittagszeit des 5. März 1945 kam ein Rest vom großen Flüchtlingstreck der Bukowiner mit 20 Familien in Vorchdorf an. Die aus dem ehemals altösterreichischen Buchenland/Bukowina stammenden Flüchtlinge waren bei Eiseskälte auf der Flucht vor Stalins Soldaten 900 Kilometer weit marschiert, ausgehend vom oberschlesischen Polen über Mähren und Niederösterreich bis nach Vorchdorf. Darunter auch die am 16.3.1923 geborene Stefani NIKELSKI samt ihren Angehörigen. Sie fanden im „Gasthaus-Wang/Rittmühle“ eine vertraute Heimstätte.Heute lebt Frau NIKELSKI mit ihren 97 Jahren bei voller geistiger Gesundheit in einem kleinen Bungalow in Vorchdorf. Täglich bekommt sie von ihren beiden Söhnen Besuch und auch, wie sie selbst sagt zur Vereinfachung Essen auf Räder.

Herbert RIESS aus Gschwandt, Mitglied der Landsmannschaft der BUCHENLAND DEUTSCHEN in Österreich, dessen Vater ebenfalls vom Buchenland/Bukowina nach Österreich kam und die Mutter eine Donauschwäbin war, forscht und schreibt schon seit 20 Jahren an der Geschichte seiner Vorahnen. Frau Nikelski kann natürlich als Zeitzeugin viel Interessantes erzählen und schildert:„1940 wurde meine damalige Heimat Derelui Rumänien von den Russen besetzt und alle 100.000 „Alt-Österreicher“ vom damaligen deutschen und russischen Militär gemeinsam außer Landes gebracht. 55.000 Nordbukowiner wurden per Bahn ins schlesische Polen verfrachtet und dort angesiedelt. Nur 5 Jahre später mussten wir abermals Grund und Boden verlassen. Die Stalin-Orgel der Russen war bereits aus 30 Kilometer Entfernung zu hören. Eilig stellte man einen Pferdetreck mit 1800 Menschen, 650 Wagen und über 1000 Pferde zusammen und am Vormittag des 23. Jänner 1945 begann der Marsch Richtung Westen. In 41 Tagen marschierten wir 900 Kilometer weit und waren am 5. März 1945 um 9:00 Uhr Vormittag in Laakirchen angekommen. Der größte Teil des Treck‘s hatte sich bereits ab der NÖ Grenze abgespalten. 20 Familien zogen von Laakirchen noch weiter nach Vorchdorf und 5 Familien samt mir mit meinen Angehörigen fanden im „Gasthaus Wang“, spätere Rittmühle eine Bleibe. Der Tanzboden wurde mit einer dicken Strohschüttung versehen und diente uns ein halbes Jahr lang als Nachtlager. Ich heiratete 1946 meinen Landsmann Albrecht Nikelski.

Als wenige Jahre später die Papierfabrik Laakirchen das Gasthaus Wang samt Arial kaufte und dort produzierte, bekamen wir einen sicheren Arbeitsplatz, wo wir viele Jahre arbeiten durften. Wir hatten wieder eine neue Heimat gefunden und wurden auch in Vorchdorf herzlich aufgenommen und integriert“, so Frau Nikelski in ihren emotionalen Ausführungen.Dies alles ist 75 Jahre her und Herbert RIESS hat zu diesem Jahrestag am Donnerstag 5. März 2020 einen Ehrentag in`s Leben gerufen.

Dieser 75. Jahrestag wird um 9:00 Uhr mit einer Gedenkmesse in der Pfarrkirche Vorchdorf begonnen. Die Gestaltung der Messe hat der Sängerbund Frohsinn und die Sängerrunde Gschwandt inne. Anschließend spaziert die Feiergemeinde zum Museum der Region Vorchdorf (eh. Kitzmantelfabrik), wo die Eröffnung der BUKOWINA Ausstellung, die von 5.3.2020 bis 5.5.2020 zugänglich ist, stattfindet. Bevor dann um 13:00 Uhr eine Bukowina-Film Präsentation gezeigt wird, gibt es im Museums Foyer um 12:00 Uhr einen Mittagsimbiss. Um 14:00 Uhr werden die Ansprachen der Ehrengäste und des Ausstellungsleiter zu hören sein, die im Anschluss auch Antworten zu diversen Fragen geben werden. Mit einem gemütlichen Ausklang soll dieser Tag dann enden. 

Bericht und Bilder Peter SOMMER FOTOPRESS

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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