AK-Wertschöpfungsbarometer 2018: Niedrige Investitionen trotz Hochkonjunktur, aber hohe Ausschüttungen an die Eigentümer

Österreichs Mittel- und Großunternehmen schütten nach wie vor enorme Summen an die Eigentümer/-innen aus. Die durchschnittlichen Sachinvestitionen pro Beschäftigtem sind 2018 trotz boomender Konjunktur kaum gestiegen. Real sind sie im Zehn-Jahres-Vergleich sogar um ein Fünftel gesunken! „Diese Unternehmenspolitik hat vor allem in Abschwungphasen, wie wir sie derzeit erleben, negative Auswirkungen und kostet Arbeitsplätze“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert die Unternehmen auf, einen größeren Teil der erzielten Gewinne in die Entwicklung der Unternehmen und der Mitarbeiter/-innen zu investieren.

2018 erbrachte jede Beschäftigte/ jeder Beschäftigte in den 1.474 von der AK untersuchten österreichischen Mittel- und Großunternehmen eine durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) in Höhe von mehr als 104.000 Euro!  Die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) überstieg 2018 dabei den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand um rund 38.177 Euro, ein Spitzenwert, der nur in den Geschäftsjahren 2010 und 2011 übertroffen wurde.

Diese Ergebnisse stammen aus der jährlichen Analyse der offengelegten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Kapitalgesellschaften in Österreich für den AK-Wertschöpfungsbarometer. Dieser ermittelt den Überschuss der durchschnittlichen ordentlichen Pro-Kopf-Wertschöpfung (Pro-Kopf-Produktivität) über den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand in den untersuchten Unternehmen.

Die Sachinvestitionen je Beschäftigter/je Beschäftigtem lagen durchschnittlich bei rund 15.264 Euro, real um ein Fünftel unter dem Wert des Jahres 2008! Sehr hoch waren hingegen wieder die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen. Pro Beschäftigtem gerechnet betrugen sie im Schnitt mehr als 14.000 Euro.

Rekordverdächtig ist die „Red Bull GmbH“. Das Unternehmen hatte ursprünglich beschlossen, 2018 (aus dem Bilanzgewinn 2017) rund 272,5 Mio. Euro an die Eigentümer/-innen auszuschütten. Geworden sind es dann, wie der Jahresabschluss 2018 zeigt, (nach Abzug von Kapitalzuschüssen an das Unternehmen) sagenhafte 772,5 Millionen Euro. Umgerechnet wären das rund 4,8 Mio. Euro pro Mitarbeiter/-in! Und es geht so weiter: aus dem Gewinn 2018 sollen 2019 – laut den offengelegten Beschlüssen – erneut mehr als 521 Millionen Euro an die Eigentümer/-innen überwiesen werden. Das besonders Pikante an diesem Fall: Die Red Bull GmbH hat 2018 laut offengelegtem Jahresabschluss ihren Mitarbeiter/-innenstand im Vergleich zu 2017 um 111 Personen bzw. um rd. 40 Prozent verringert!

Hohe Gewinnausschüttungen sind aber nicht auf große Unternehmen beschränkt. So hat beispielsweise die Franz Kastner GmbH, ein oberösterreichisches Unternehmen mit ca. 95 Beschäftigten, laut Firmenbuch beschlossen, aus dem Bilanzgewinn 2018 insgesamt 5,4 Mio. Euro an die Gesellschafter/-innen auszuschütten. Pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter gerechnet wären dies ebenso rund 56.800 Euro.

Der AK-Wertschöpfungsbarometer zeigt klar: Die Unternehmen machen kontinuierlich satte Gewinne, reinvestieren diese aber in viel zu geringem Ausmaß. „Die vorgesehenen Steuergeschenke für die Unternehmen in Höhe von fast zwei Milliarden Euro, die noch dazu vorwiegend Großkonzernen zugutekommen, sind daher völlig überflüssig und werden nur die ohnehin schon zu hohen Gewinnausschüttungen weitererhöhen. Das Geld wäre viel besser in den Sozialstaat, faire Pensionen und den Klimaschutz investiert“, sagt AK-Präsident Dr. Kalliauer.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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