B156-Sperre: Unmut über Alleingang Salzburgs

WKO-Braunau-Obmann Steidl gegen künstliche Grenze innerhalb
Österreichs und Verkehrsverlagerung zum Nachbarn Oberösterreich

„Die beabsichtigte Sperre für den Liefer- und Durchzugsverkehr durch das Bundesland Salzburg sorgt bei den Unternehmen entlang der B 156 für große Unruhe und viel Kritik an der unkooperativen Vorgangsweise“, weiß Klemens Steidl, Obmann der Wirtschaftskammer Braunau. Die B 156 ist neben der B 147 eine der Hauptverkehrsachsen im Bezirk Braunau — beide Bundesstraßen enden, wie der Name Bundesstraße schon sagt, nicht an der Landesgrenze zu Salzburg. Und bekanntermaßen siedeln sich an zentralen Verkehrswegen auch Betriebe an. Um die 2000 Unternehmen mit rund 15.300 Mitarbeitern haben alleine in 19 Braunauer Gemeinden an und um die B 156 ihren Standort, darunter österreichweit sehr bedeutende Leit- und Industriebetriebe.

Hinzu kommt, dass sich in den letzten Jahren im oberösterreichisch-salzburgischen Grenzgebiet vermehrt auch Salzburger Unternehmen angesiedelt haben. Daraus hat sich ein reger Liefer-, aber auch Pendlerverkehr in beide Richtungen ergeben, man kauft dies- und jenseits der „Grenze“ ein, besucht die Schule oder hat seinen Arbeitsplatz auf beiden Seiten der Grenze. „Umgekehrt finden viele Salzburger aufgrund der dort nicht mehr leistbaren Immobilien- und Grundstückspreise in unserem Bezirk eine neue Heimat. Man wächst mit den wirtschaftlichen Entwicklungen immer mehr zusammen. Aber plötzlich wird wieder eine künstliche Grenze hochgezogen“, ärgert sich Steidl. Die Salzburger Landesregierung will den Durchzugsverkehr nicht nur für den internationalen Transitverkehr sperren, sondern auch für den Lieferverkehr aus und in die benachbarten Gemeinden.

Salzburg will hier den einfachsten Weg gehen. Man verlagert das Problem einfach zu den Nachbarn: Wie eine Blitzumfrage der WKO Braunau unter den Betrieben ergeben hat, würden ca. 45 Prozent der in Frage kommenden Fahrten auf die B 20 in Bayern verlagert werden, etwa 40 Prozent in den Bezirk Braunau auf die B 147, die ohnehin längst an ihrer Leistungsgrenze angelangt ist. „Die Zeiten von Insellösungen in der Verkehrssteuerung sollten vorbei sein“, ärgert sich Steidl über die Vorgehensweise Salzburgs. Würde die oö. Landesregierung die gleichen Mittel anwenden und auch den Transitverkehr auf der B 147 aussperren, hätte zum Beispiel ein großer Auto-Spediteur sehr schnell ein Problem, weil täglich Dutzende Autotransporter aus dem benachbarten Ausland mit Ziel Straßwalchen durch den gesamten Bezirk Braunau fahren. „Nötigenfalls muss man aber solche Überlegungen anstellen, wenn man in Salzburg keine Einsicht zeigt“, so Steidl weiter. Gefragt sei jetzt eine gemeinsame Lösung unter guten Nachbarn, die auf das engste miteinander verflochten sind. Steidl: „Unsere Betriebe dürfen jedenfalls nicht die Zeche zahlen!“

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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