Gewerbe und Handwerk spürt nachlassende Konjunktur — Stimmung hat gedreht

Gewerbeobmann Michael Pecherstorfer an neue Bundesregierung:
Entlastungen rasch umsetzen, ist Gebot der Stunde

„Erstmals seit drei Jahren sehen die knapp 43.000 oberösterreichischen Gewerbe- und Handwerksbetriebe nicht mehr überwiegend optimistisch in die nächste Zukunft“, fasst Michael Pecherstorfer, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Oberösterreich, den aktuellen Konjunkturbericht der KMU Forschung Austria zusammen. „Die Zeiten der Hochkonjunktur sind endgültig vorbei. Unsere Betriebe sind für das 1. Quartal 2020 pessimistischer gestimmt“, fügt Pecherstorfer an. Um 4 Prozentpunkte überwiegen die pessimistischen Einschätzungen für das laufende Vierteljahr. 16 Prozent der Betriebe erwarten steigende Auftragseingänge bzw. Umsätze und 20 Prozent Rückgänge. Im 1. Quartal des Vorjahres war die Erwartungshaltung noch deutlich positiver (18 Prozent erwarteten Zuwächse und 12 Prozent Rückgänge).

Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden schwächelnden Gewerbekonjunktur ist für Pecherstorfer wichtig, dass „die neue Bundesregierung den bereits begonnenen Entlastungskurs für die Unternehmen weiter fortsetzt“. Es sei positiv, dass das Regierungsprogramm zentrale Forderungen der Wirtschaftsvertretung enthält, wie die Senkung der Lohn- und Einkommensteuertarifstufen, die Reduktion der KöSt. auf 21 Prozent, die Ausweitung des Gewinnfreibetrages, die weitere Erhöhung der Absetzbarkeit für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1.000 Euro, die Senkung des GmbH-Mindestkapitals auf 10.000 Euro, die Entlastung von Meldebürokratie und Dokumentationspflichten sowie die Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Card (Stichwort Fachkräftemangel). „Die rasche Umsetzung dieser fixierten Maßnahmen ist gerade für die vielen kleinen und mittleren Unternehmen im Gewerbe und Handwerk ein Gebot der Stunde“, unterstreicht Pecherstorfer.

Für das laufende Quartal ist das oö. Gewerbe und Handwerk also deutlich pessimitischer gestimmt als in den Jahr davor. Bei der Beurteilung des 4. Quartals überwogen noch jene Unternehmen, die einen guten Geschäftsgang (Auftragseingänge und Umsätze) verzeichneten, allerdings nur noch um 3 Prozentpunkte. Im 4. Quartal 2018 waren es noch 18 Prozentpunkte und im 4. Quartal 2017 17 Prozentpunkte. Die Tendenz zeigt klar nach unten, so Pecherstorfer. In den investitionsgüternahen Branchen sei der Auftragsstand durchwegs erfreulich — der Auftragsbestand ist gegenüber dem 4. Quartal 2018 um 1,6 Prozent gestiegen. Im konsumnahen Sektor haben allerdings jene die Oberhand, die Rückgänge meldeten. 20 Prozent der Betriebe verzeichneten Umsatzrückgänge, 18 Prozent ein Plus. Pecherstorfer: „Umso wichtiger ist, dass eine Senkung der Tarifstufen bei Lohn- und Einkommensteuer so rasch wie möglich umgesetzt wird. Das bringt mehr Netto vom Brutto, wovon Ein-Personen-Unternehmen und Kleinbetriebe genauso profitieren wie die Arbeitnehmer.“

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© Starmayr
Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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