Anschober: EU verwässert Leitlinien zum Bienenschutz zugunsten des Pestizideinsatzes

Die EU-Länder haben sich auf einen gemeinsamen Leitfaden verständigt, der dazu beitragen soll, Bienen und andere bestäubende Insekten besser vor Pestiziden zu schützen. Die erste Version des sogenannten „Bee Guidance“-Leitfadens wurde 2013 erstellt und führte in der Folge 2018 zum Verbot von drei Neonicotinoiden. Nun wurde laut Medienberichten der Beschluss gefasst, diesen Leitfaden noch einmal zu überarbeiten und vor allem im Bereich der Pestizidzulassung wieder aufzuweichen. Damit droht ein deutlicher Rückschritt für den Artenschutz in Europa!

LR Anschober: „In unsere Umwelt werden Pestizid-Cocktails eingebracht, deren mögliche Auswirkungen nicht ausreichend untersucht sind. Ebenso wie die Auswirkungen auf Lebewesen, die sozusagen als Kollateralschaden bei der Pestizidanwendung beeinträchtigt werden können. Die aktuelle Entscheidung auf EU-Ebene zeigt, dass der Artenschutz Industrie-Interessen unterworfen wird. So darf es nicht weitergehen! Es muss in unser aller Interesse liegen, diesen Weg zu verlassen, Bienengifte gänzlich zu verbieten und den Einsatz von Pestiziden weitestgehend zu minimieren.“

Alle im ursprünglichen Leitfaden vorgeschlagenen und übergangsweise gültigen Tests, darunter die so wichtigen Tests an Honig-, Wildbienen und Bienenlarven, wurden ersatzlos gestrichen. Diese Tests waren ein Grund für die Einschränkungen und das Freilandverbot der drei Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Da diese Tests nun wieder wegfallen, ist kein ausreichender Schutz von Bienen und anderen Bestäubern gewährleistet.

Sogenannte Notfallzulassungen machen es zudem weiterhin für die Mitgliedsstaaten möglich, das Verbot auszuhebeln. Viele EU-Länder machen davon Gebrauch. In Belgien, Ungarn, Polen und Tschechien sind Rübenbeizen mit Neonicotinoiden meist zeitlich eingeschränkt von Februar bis Mai/Juni erlaubt. Auch in Österreich ist eine entsprechende Zulassung in Kraft getreten. Die Bestäubungsleistung durch Insekten gerät zunehmend in Gefahr, zudem erhöht der Bodenverbrauch den Druck auf die Landwirt/innen: Je mehr fruchtbare wertvolle Böden versiegelt und verbraucht werden, desto größer der Druck die verbleibenden Flächen noch intensiver zu nützen. Dies bewirkt eine Zerstörung und Verringerung von Naturoasen in unserer Kulturlandschaft wie Bienenweiden und Brachflächen.

Landesrat Anschober sieht deshalb auch in der Agrarförderung eine zentrale Weichenstellung für die Bienenrettung und fordert: „Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen, sondern die notwendigen Zukunftslösungen sichtbar zu machen und für ihre Durchsetzung breite gesellschaftliche Allianzen zu bilden. Die neue EU-Agrarförderung muss auf Bienen und Insekten achten, wieder Vielfalt schaffen und einen Beitrag zu ihrer Rettung leisten – durch einen klaren Förderschwerpunkt für bienenschonende pestizidfreie Bewirtschaftung. Dann haben die Insekten wieder eine Chance – und die Landwirtschaft, denn ohne Bestäuber keine Landwirtschaft. Das ist ein Ziel meiner Initiative für den Schutz von Böden und Artenvielfalt die unter www.ooebluehtauf.at unterstützt werden kann. Mittlerweile haben unsere zehn Maßnahmen für den Schutz von Insekten, Böden und Artenvielfalt bereits 17.000 Unterstützer/innen gefunden – und täglich werden es mehr!“

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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