Oberösterreich übernimmt Vorreiterrolle bei Abbiegeassistenten im Öffentlichen Verkehr

OÖ Verkehrsverbund will das Unfallrisiko auch bei Linienbussen im Regionalverkehr senken

Die Gefahren von „Toten Winkeln“ bei Bussen sind zwar nicht so hoch wie bei LKWs. Dennoch ergreift der OÖ Verkehrsverbund nun Maßnahmen, um das Unfallrisiko beim Rechtsabbiegen auch im Öffentlichen Verkehr zu reduzieren und wird in Regionalbussen Abbiegeassistenten schrittweise zum Einsatz bringen.

Ein erheblicher Teil der Unfalltoten ist bei Abbiegeunfällen durch rechtsabbiegende Schwerfahrzeuge zurückzuführen. Die Gefahren des „Toten Winkels“ führen immer wieder zu schwerwiegenden Unfällen, so wie bedauerlicherweise auch kürzlich in Wien. Das höchste Risiko, durch den „Toten Winkel“ andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu übersehen und dadurch zu gefährden, gibt es bei LKWs. Aus diesem Grund wurde diese Woche von Infrastrukturminister Norbert Hofer ein Maßnahmenpaket präsentiert.

Abbiegemanöver im Ortsgebiet gehören jedoch auch zu den schwierigen Aufga­ben von Busfahrerinnen und Busfahrern: gleichzeitig muss auf Beschilderungen, Gegen- und Querverkehr, Ampeln und querende Fußgänger und Fahr­radfahrer geachtet werden. Landesrat für Infrastruktur Günther Steinkellner möchte daher zusätzlich zu den Maßnahmen bei LKWs auch Schritte im Öffentlichen Verkehr setzen, um schlimmen Unfällen beim Abbiegen noch besser vorzubeugen.

„Jeder Unfall ist einer zu viel. Aus diesem Grund werden wir nun auch damit beginnen, die Busse im Öffentlichen Verkehr mit Abbiegeassistenten auszustatten. Wir nehmen damit in Österreich eine Vorreiterrolle ein“, erklärt Landesrat Günther Steinkellner die zusätzliche geplante Maßnahme. 

Das Unfallrisiko aufgrund des „Toten Winkels“ ist bei Bussen geringer, als bei Lastkraftwagen. Dies liegt vor allem an der besseren Sicht für Busfahrerinnen und Busfahrer. Im Gegensatz zu LKWs bieten Busse durch die großen seitlichen Fensterflächen und die bis weit nach unten reichenden Glastüren den Lenkerinnen und Lenkern eine bessere seitliche Sicht auf andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Zudem ist das Fahrpersonal ständig mit ein- und aussteigenden Fahrgästen auf der rechten Fahrzeugseite konfrontiert und ist somit auch sehr sensibilisiert für den „Toten Winkel“.

Allerdings kam es auch im Öffentlichen Verkehr bereits zu Unfällen, die mit einem Abbiege-assistenten möglicherweise hätten verhindert werden können.  Abbiegeassistenzsysteme können auch bei Bussen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Straßenverkehr beitragen und Unfälle beim Rechtsabbiegen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern verhindern oder zumindest die Schwere der Unfallfolgen mildern.

Die Kosten des Einbaus eines Abbiegeassitenzsystems bei Neufahrzeugen liegen bei 2.000 bis 3.000 Euro. Da eine Nachrüstung der rund 800 im Einsatz stehenden Regionalbusse in Oberösterreich nicht in Frage kommt, wird der OÖ Verkehrsverbund die Ausstattung mit Abbiegeassistenten schrittweise im Zuge der wettbewerblichen Vergabe von Regionalbusverkehrsdiensten umsetzen. Dabei werden jährlich eine große Anzahl an Neufahrzeugen zum Einsatz kommen.

„Wir werden die verpflichtende Ausrüstung von Bussen mit Abbiegeassistenten ab dem nächsten Vergabeverfahren in das Fahrzeuganforderungsprofil aufnehmen. Das nächste Vergabeverfahren betrifft Busverkehrsdienste im Inneren Salzkammergut und im Oberen Mühlvierten (Hansberggebiet sowie Rohrbach und Haslach-Umgebung). In diesen Gebieten werden um die 50 Neufahrzeuge zum Einsatz kommen. Das Verfahren startet Mitte 2019, die Betriebsaufnahme ist im Dezember 2020 vorgesehen“, schildert Herbert Kubasta, Geschäftsführer der OÖ Verkehrsverbund Gesellschaft, die geplante Umsetzung. Damit wird der OÖ Verkehrsverbund die Ausstattung mit Abbiegeassistenten noch vor der verpflichtenden Einführung vorantreiben.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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