ZAMG: Stellenweise Neuschneerekorde

Neuschneemengen wie in den letzten 15 Tagen, kommen selbst in den schneereichen Regionen Österreichs statistisch gesehen nur alle 10 bis 100 Jahre vor, zeigt eine erste Auswertung der ZAMG. Vereinzelt gab es sogar neue Rekorde, wie in Seefeld, Hochfilzen, Lofer und Bad Mitterndorf. 

Die Schneesituation in Österreich wird sich allmählich entspannen. Am Dienstag klingt der Schneefall ab und in den nächsten Tagen sind höchstens geringe Neuschneemengen zu erwarten. Der Mittwoch und der Donnerstag verlaufen größtenteils sogar sonnig.

Die Lawinenwarndienste warnen aber, dass auch bei einem Rückgang der Lawinengefahr die Situation abseits der gesicherten Pisten sehr heikel bleibt. Beispielsweise kann bei Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Lawinengefahr) schon die Zusatzbelastung durch einen Schifahrer oder Snowboarder reichen, um eine Lawine auszulösen. Die meisten tödlichen Lawinenunfälle passieren bei Stufe 3, weil die Gefahr oft unterschätzt wird, besonders bei gutem Wetter.

Neuschneerekorde

Eine erste Auswertung der Neuschneesummen (Summe der täglichen Neuschneemenge) von 1. bis 15 Jänner 2018 durch die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) zeigt, wie ungewöhnlich der Schneefall der letzten Tage war. „Noch liegen nicht alle Daten vor, aber in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und in die Steiermark gibt es auf jeden Fall neue Rekorde“, sagt Michael Winkler von der ZAMG in Innsbruck. „Einige Beispiel für neue Rekordwerte der 15-tägigen Neuschneesumme: Seefeld mit 283 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1895. Abtenau mit 240 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1964. Bad Mitterndorf mit 270 Zentimeter, gemessen wird hier seit 1971.“

Jährlichkeiten teils über 100 Jahre

Die statistische Wiederkehrzeit ist für die Rekordorte schwer zu erfassen, liegt aber über 100 Jahre, ähnlich wie für die 451 Zentimeter Neuschneesumme in Hochfilzen. Die Neuschneesumme in Schröcken liegt mit 310 Zentimeter bei einer Jährlichkeit von fünf Jahren, in den beiden Lechtaler Orten Holzgau und Höfen mit 170 Zentimeter Neuschnee bei rund 10 Jahren. In Windischgarsten kommen die gemessenen 148 Zentimeter Neuschnee statistisch gesehen alle fünf bis zehn Jahre vor, die 152 Zentimeter in Bad Ischl alle 20 Jahre. Die statistische Jährlichkeit der 300 Zentimeter Neuschnee in Bad Aussee liegt bei 30 bis 50 Jahre.

OrtNeuschneesumme1. bis 15.1.2019statistische WiederkehrzeitMessungen seit
Schröcken (V) 310 cm 5 Jahre 1926
Holzgau (T) 170 cm 10 Jahre 1895
Höfen (T) 170 cm 10 Jahre 1971
Seefeld (T) 283 cm (Rekord) größer 100 Jahre 1895
Kufstein (T) 168 cm (Rekord) größer 100 Jahre 1923
Hochfilzen (T) 451 cm (Rekord) größer 100 Jahre 1971
Lofer (S) 263 cm (Rekord) größer 100 Jahre 1971
Abtenau (S) 240 cm (Rekord) größer 100 Jahre 1964
Bad Ischl (OÖ) 152 cm 20 Jahre 1971
Windischgarsten (OÖ)148 cm 5 bis 10 Jahre 1896
Bad Aussee (ST) 300 cm 30 bis 50 Jahre 1971
Bad Mitterndorf (ST)270 cm (Rekord) 100 Jahre 1971

Der Nordstau

Der Grund für die großen Schneemengen war die seit Ende Dezember anhaltende Nord- bzw. Nordwestströmung. Sie brachte immer wieder feuchte Luftmassen nach Österreich. An den Alpen wurde die feuchte Luft wie an einer Staumauer aufgehalten und an der Nordseite der Alpen, im sogenannten Nordstau, schneite und regnete es stark.

In den schneereichen bewohnten Gebieten ist die Höhe der Schneedecke derzeit zwischen 150 Zentimeter in Seefeld über 180 Zentimeter in Lackenhof bis 220 Zentimeter in Hochfilzen. Für die Gipfelregionen gibt es wegen der starken Windverfrachtung der letzten Tagen nur ungefähre Angaben. Hier liegen die Schneehöhen in den schneereichsten Regionen der Alpennordseite (vom Arlberg über das Karwendel bis zur Dachstein- und Hochkar-Region) in etwa zwischen drei und fünf Meter, stellenweise auch darüber.

Für Jänner ungewöhnlich hohe Schneelast auf den Gebäuden

Die Schneemengen der letzten Tage brachten auch große Schneelasten auf den Gebäuden. „Wir haben derzeit für Mitte Jänner ungewöhnlich hohe Schneelasten mit 200 bis 300 Kilogramm pro Quadratmeter“, sagt ZAMG-Experte Michael Winkler, „sie liegen in den schneereichen Regionen bei ungefähr 60 bis 90 Prozent der Normlasten. Vereinzelt sind die Normlasten auch schon überschritten, besonders da und dort in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark. Speziell bei Flachdächern und Hallen ist hier Vorsicht geboten.“

Erwärmung ohne Niederschlag erhöht Schneelast nicht

Das Gewicht von Schnee ist sehr unterschiedlich, je nachdem wie dicht die Schneeflocken zusammengepresst sind. Typische Werte für einen Kubikmeter Schnee reichen von 50 Kilogramm (trockener Neuschnee) bis 450 Kilogramm (feuchter Altschnee). Das führt oft zu zwei Missverständnissen, was die weitere Zunahme der Schneelast betrifft, erklärt Michael Winkler von der ZAMG: „Erstens: Für die Erhöhung der Schneelast ist es gleich, ob ein Kilogramm Neuschnee auf die bestehende Schneedecke am Dach fällt oder ein Kilogramm Regen. Da Regen meist fast vollständig in der Schneedecke verbleibt. Zweitens: Wenn es nur wärmer wird und kein Niederschlag fällt, erhöht sich die Schneelast nicht. Denn auch wenn sich die Art des Schnees am Dach ändert, bleibt das Gesicht des Schnees am Dach unverändert.“

Neu: ÖNORM für Schneelast per Mausklick abrufbar

Die ÖNORM für Schneelast ist seit diesem Winter erstmals für jeden Ort Österreichs auch online abrufbar. Die Informationen der unterschiedlichen Schneelastzonen wurden unter Mitarbeit der ZAMG in die Naturgefahren-Website www.hora.gv.at des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus eingefügt.

Neue Schneelastnorm mit neuen Daten und Modellen

Mit Jänner 2019 startete das Projekt „Schneelast.Reform“. Das Ziel ist, die Grundlagen der Österreichischen Schneelastnorm zu überarbeiten. Hier fließen unter anderem neueste Messdaten und neue mathematische Methoden ein. Damit kann die regionale Verteilung der Schneelastzonen in Österreich weiter verfeinert werden. Das Projekt „Schneelast.Reform“ dauert bis Dezember 2020. Beteiligt sind der Fachverband der Holzindustrie (Projektleitung), der Versicherungsverband Österreich (VVO), der Fertighausverband, die Bundesinnung Holzbau und die ZAMG.

Rainer Hilbrand

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Dr. Rainer Hilbrand
Medieninhaber u. Geschäftsführer

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