8. November, 2017 um 13:31

Eine Vermögenssteuer für die Reichsten bringt mehrere Milliarden Euro, belegt eine neue Berechnung der Johannes-Kepler-Universität Linz. „Je nach Modell wären die reichsten vier bis sieben Prozent der österreichischen Bevölkerung  betroffen“, resümiert Studienautor Dr. Jakob Kapeller. Geld, das zur Finanzierung wichtiger Aufgaben, etwa der Pflege, sowie zur weiteren Senkung der Lohnsteuer eingesetzt werden könnte. „Eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro ist ein fairer Beitrag und führt zu mehr Steuergerechtigkeit“, betont AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

 

Auf Basis der bereits Mitte Oktober präsentierten Studie „Bestände und Konzentration privater Vermögen in Österreich“ der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU), in Auftrag gegeben von den Arbeiterkammern Wien und Oberösterreich, wurde nun die praktische Anwendbarkeit der berechneten Daten zur Vermögenssituation in Österreich untersucht.

 

Hier noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse, die ein mehrköpfiges Forschungsteam der JKU gewonnen hat: Das gesamte Netto-Vermögen der privaten Haushalte beträgt 1,317 Billionen Euro. Bisher wurde von rund einer Billion Euro, also 300 Milliarden weniger, ausgegangen. Allein das reichste Prozent der privaten Haushalte verfügt über mehr als eine halbe Billion Euro (534 Milliarden Euro) Netto-Vermögen – das entspricht einem Besitzanteil des reichsten Prozents von 40,5 Prozent! Zum Vergleich: Die 90-prozentige Bevölkerungsmehrheit mit keinem, geringem oder mäßigem Vermögen kommt gemeinsam nur auf etwa ein Drittel des Gesamtvermögens (34,2 Prozent).

 

Auf Basis dieser Daten, die die bisher unzureichende Erfassung am oberen Rand der Reichtumsverteilung korrigieren, wurden die Aufkommen aus verschiedenen Vermögenssteuermodellen mit unterschiedlichen Freibeträgen und Steuersätzen berechnet. Es wurden mehrere Varianten mit unterschiedlichen Annahmen erstellt, auch unter der Berücksichtigung, dass es theoretisch zu „Ausweicheffekten“ kommen kann, also Vermögen ins Ausland verschoben werden könnte. Selbst bei unrealistisch hohen Ausweichreaktionen kommt noch immer ein erhebliches Steueraufkommen zustande. Denn der Großteil des Privatvermögens besteht aus Groß-Immobilien und kann sich der Besteuerung daher gar nicht entziehen.

Beispielsweise wäre bei einem Modell mit einem Freibetrag von einer Million Euro sowie Steuersätzen von 0,7 Prozent (zwischen einer und zwei Millionen Euro), einem Prozent (zwischen zwei und drei Millionen Euro) und 1,5 Prozent (ab drei Millionen Euro) mit einem Aufkommen von 5,7 Milliarden Euro zu rechnen!

 

Käme dieses Modell zur Anwendung, würde eine Vermögenssteuer nur vier bis fünf Prozent der Haushalte in Österreich treffen. Denn erst innerhalb dieser Gruppe verfügt ein Haushalt im Schnitt über ein Großvermögen von mehr als einer Million Euro netto.

 

Wegen des immensen, in wenigen Händen konzentrierten Privatreichtums hat  Österreich einen großen Spielraum für eine gerechtere Besteuerung. Das gilt auch im internationalen Vergleich, in dem unser Land beim Aufkommen vermögensbezogener Steuern weit hinten liegt. In Relation zum gesamten Steueraufkommen tragen vermögensbezogene Steuern in Österreich nur zu 1,3 Prozent bei, im OECD-Schnitt sind es 5,6 Prozent. In so wirtschaftsliberalen Staaten wie Großbritannien oder den USA haben Vermögenssteuern mit mehr als einem Zehntel des Steueraufkommens ein starkes Gewicht.

 

„Das gesamte 1,3 Billionen schwere Privatvermögen in Österreich ist riesig, wird aber kaum als Steuereinnahmequelle genutzt“, stellt AK-Präsident Kalliauer fest. „Die Lobbyisten der Reichen versuchen das zu verschleiern und rufen nach einer Senkung der Abgabenquote. Doch die Abgabenquote sagt nichts über eine faire Verteilung der Steuerlast aus.“

 

Deshalb fordert die AK Oberösterreich zur Finanzierung wichtiger Aufgaben und zur weiteren Senkung der Lohnsteuer die Einführung einer Vermögenssteuer ab einer Million Euro, außerdem die Wiedereinführung einer reformierten Erbschaftssteuer mit einem hohen Freibetrag sowie die Abstimmung von vermögensbezogenen Steuern auf EU-Ebene.

 

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Studie der Kepler-Universität belegt: Vermögenssteuer  für die Reichsten bringt mehrere Milliarden Euro SchaufensterSchaufenster

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Studie der Kepler-Universität belegt: Vermögenssteuer  für die Reichsten bringt mehrere Milliarden Euro